Yesodei ha Torah (Rambam) Auch wichtig für das Noachidische Testament.
- 8. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Yesodei ha Torah, der erste Abschnitt der Mischna Tora von Rabbi Mosche ben Maimon (Rambam), legt das Fundament des jüdischen Glaubens. Obwohl sich dieses Werk primär auf Israel konzentriert, enthält Kapitel 1 universelle Wahrheiten, die auch für Noachiden von großer Bedeutung sind. Das Kapitel behandelt keine Rituale oder spezifische Gebote, sondern vielmehr das Wesen des Glaubens an den einen Gott.
Für einen Noachiden bietet dieses Kapitel eine reine, klare Grundlage: wer Gott ist, wer er nicht ist und wie der Mensch innerlich mit ihm in Beziehung steht.
Der Rambam beginnt mit einer eindringlichen Behauptung: Die Grundlage aller Weisheit ist das Wissen um die Existenz eines Ersten Wesens . Dieses Wesen ist nicht bloß das erste in einer Reihe, sondern die Ursache allen Seins.
Alles, was wir kennen – Himmel, Erde, die Naturgesetze, Zeit, Raum und Leben – existiert nur, weil Gott das Dasein beständig ermöglicht. Ohne ihn könnte nichts bestehen.
Das bedeutet, dass Gott nicht Teil des Universums ist. Und er unterliegt nicht den Naturgesetzen.
Er ist keine Kraft innerhalb der Schöpfung, sondern der Ursprung der Schöpfung.
Auch für Noachiden ist dies wesentlich: Gott ist keine abstrakte Idee oder spirituelle Energie, sondern ein wahrhaft existierendes, notwendiges Wesen.
Man sieht, dass der Rambam einen scharfen Unterschied zwischen Gott und allem Geschaffenen macht. Alles in der Schöpfung ist voneinander abhängig. Etwas kann existieren, muss es aber nicht. Gott hingegen muss existieren. Selbst wenn man sich vorstellt, dass alles verschwindet, würde er weiter existieren. Aber wenn Gott nicht existierte, könnte nichts anderes existieren.
Einer der wichtigsten Punkte in diesem Kapitel ist Gottes Einheit. Er ist nicht eins, wie ein Objekt eins ist, noch ist er eins, wie eine Art oder Kategorie es ist.
Gott ist absolut eins, nicht zusammengesetzt, nicht teilbar und nicht plural.
Jede Vielfalt impliziert Grenzen, und Grenzen sind den geschaffenen Dingen inhärent. Da Gott unendlich ist, kann er nicht aus Teilen bestehen.
Dies bedeutet, dass es keine mehreren göttlichen Mächte gibt, noch irgendwelche zwischengeschalteten Wesen mit göttlichem Status. Darüber hinaus darf kein einzelnes Geschöpf verehrt werden.
Der Rambam betont nachdrücklich, dass Gott keinen Körper, keine Form und keine physischen Eigenschaften besitzt. Körper impliziert Ort, Größe, Veränderung und Begrenzung, was alles mit Gottes Unendlichkeit unvereinbar ist.
Wenn die Tora von Gottes Hand, Gottes Augen oder Gottes Zorn spricht, handelt es sich um Metaphern. Die Tora spricht in menschlicher Sprache, weil wir Menschen sie sonst nicht verstehen könnten.
Dadurch werden zwei große Fehler vermieden:
1. Gott als Übermensch darzustellen.
2. G-d auf eine Naturkraft reduzieren.
Dies ist wie ein Schutz vor Götzendienst in all seinen Formen.
Der Rambam erklärt außerdem, dass Propheten Visionen in Bildern sehen, die ihrem Verständnis und ihrer Zeit entsprechen. Ein Prophet sieht Gott als Krieger, ein anderer als König oder Richter.
Diese Bilder sagen nichts über das Wesen Gottes aus, sondern über die vermittelte Botschaft und die menschliche Sprache der Prophetie.
Gott selbst bleibt transzendent. Selbst Mose, der größte Prophet, konnte Gottes Wesen nicht vollständig erfassen. Als er bat: „Zeige mir deine Herrlichkeit“, suchte er nach dem tiefstmöglichen Einblick in Gottes Existenz.
Der Ewige zeigte ihm so viel, wie ein Mensch begreifen kann, setzte ihm aber auch eine Grenze. Dies lehrt die Menschheit, dass Gott zwar erkennbar, aber niemals vollständig fassbar ist.
Für die Noachiden ist dies befreiend. Glaube erfordert keine vollständige intellektuelle Beherrschung, sondern Ehrfurcht und Anerkennung.
Auch Gott kennt keine Veränderung. Er ist nicht heute zornig und morgen fröhlich. Veränderung ist Wesen angeboren, die von Umständen beeinflusst werden.
Wenn die Heilige Schrift von Gottes Zorn oder Freude spricht, beschreibt sie die Auswirkungen menschlichen Handelns, nicht eine innere Veränderung in Gott selbst.
Das bedeutet, dass Gott vertrauenswürdig ist, dass seine Gerechtigkeit beständig ist und dass seine Wahrheit nicht schwankt.
Welche praktische Bedeutung hat dieses Kapitel des Rambam für die Noachiden?
Yesodei ha Torah ist keine abstrakte Philosophie. Sie ist eine Lebensphilosophie: Diene nur dem einen Gott, meide jede Form von Götzendienst, auch geistigen. Lebe in Demut vor dem Schöpfer. Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit und moralischer Reinheit und erkenne deinen Platz als Geschöpf, nicht als Mittelpunkt.
Die Sieben Noachidischen Gebote gründen auf diesem Fundament. Ohne ein reines Gottesverständnis verliert die Ethik ihren Halt. Das erste Kapitel der Tora (Jesodei haTora) lehrt uns nicht, wie Gott aussieht, sondern wer er ist und insbesondere, wer er nicht ist. Es reinigt den Glauben von Bildern, Projektionen und Missverständnissen.
Für die Noachiden bietet dieses Kapitel ein stabiles Fundament, auf dem sie ein rechtschaffenes Leben aufbauen können, das in Wahrheit, Ehrfurcht und der Verbindung mit dem einen Schöpfer allen Seins verwurzelt ist.
Verfasst von Marco Verhaar
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